Defibrillator

Erschienen am 13. März 2015 - Nord Rundschau

Im Normalfall schlägt das menschliche Herz etwa 50 bis 100 Mal pro Minute. Dadurch versorgt es unter anderem das Gehirn mit Sauerstoff. Bei einem Herzstillstand wird diese Versorgung unterbrochen. Je länger es dauert, bis das Herz wieder schlägt, desto größer ist die Gefahr eines schweren Hirnschadens, erklärt Udo Sachtem, Chefarzt der Kardiologischen Abteilung des Robert-Bosch-Krankenhauses. »Einen Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses überlebt nur ein kleiner Teil der Betroffenen, weil die Mittel zu einer erfolgreichen Wiederbelebung nicht gegeben sind«, so Udo Sachtem. Daran möchte die Volksbank Zuffenhausen eG etwas ändern. Mit finanziellen Mitteln ihrer Stiftung wurden zwei Defibrillatoren angeschafft – genauer gesagt, zwei halbautomatische externe Defibrillatoren oder auch Laiendefibrillatoren genannt. Der Vorteil dieser Geräte ist, dass sie auch ohne Vorkenntnisse oder Einweisungen bedient werden können.

»Der Laie kann bei einem solchen Gerät nichts falsch machen. Er muss es nur anschalten und zuhören können«, sagt Christian Sauter vom Wurmlinger Unternehmen, das sich um die Wartung der Geräte in der Volksbank Zuffenhausen kümmert und sie auch vertreibt. Über eine Sprachausgabe sage der Defibrillator dem Ersthelfer, was zu tun ist. Nachdem die Klebeelektroden auf der Haut des Oberkörpers angebracht wurden, analysiere er den Zustand des Patienten und löse nur aus, wenn tatsächlich ein Kammerflimmern erkannt werde. Denn, darauf weist Jochen Ulrich hin, ein Defibrillator bringt ein Herz nicht wieder zum Schlagen. Wie der Geschäftsführer der Herstellerfirma weiter erklärt, wird mit einem Defibrillator versucht, das Kammerflimmern zu beenden und den Herzrhythmus wieder auf null zu setzen. Dazu würde für acht bis zehn Millisekunden ein Stromstoß mit etwa 1.200 Volt abgesetzt.

Die Vorräume von Banken seien ideale Standorte, so Christian Sauter, da den Defibrillatoren Minustemperaturen nicht so gut bekämen, durch die Videoüberwachung Vandalismus und Diebstahl vorgebeugt werde und sie vor allem ständig für jedermann erreichbar seien. Letzteres betonte auch Ansgar Schmid, Vorstandsmitglied der Volksbank Zuffenhausen eG: »Es war uns wichtig, dass das Gerät in einem Bereich aufgehängt wird, der an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden lang öffentlich zugänglich ist«. Deswegen würden die beiden Geräte in der Hauptstelle an der Unterländer Straße in Zuffenhausen sowie in der Zweigniederlassung Stammheim an der Freihofstraße im SB-Bereich angebracht.

Derzeit sei es aber noch sehr selten, dass so ein Gerät zum Einsatz komme, sagt der Chefkardiologe der Robert-Bosch-Klinik.: »Von 14.000 Menschen, die einen plötzlichen Herztod erleiden, werden etwa 4.000 reanimiert. Nur bei 300 davon kommt ein Laiendefibrillator zum Einsatz«. Dabei steige die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Reanimation deutlich durch den Einsatz eines Defibrillators. Allerdings sei angesichts begrenzter finanzieller Mittel eben immer auch abzuwägen, wo man die Geräte installiere. So würden zunehmend Risikopatienten – also Menschen mit Vorerkrankungen wie beispielsweise einem Herzinfarkt – damit ausgestattet, bei denen die Wahrscheinlichkeit recht hoch sei, dass die Defibrillatoren auch benötigt werden.

Wenn man in die Situation komme, dass ein Mensch leblos zusammenbricht, solle man zunächst den Puls fühlen, was am Hals am einfachsten sei. In den meisten Fällen liege nur eine Ohnmacht vor, erklärt der Mediziner. Wenn aber kein Herzschlag spürbar sei und sich die Haut der leblosen Person zudem leicht grau-blau verfärbe, sei unbedingt eine Wiederbelebung erforderlich: Etwa 70 bis 80 Mal pro Minute sollte das Brustbein heruntergedrückt werden, »und zwar vier bis fünf Zentimeter tief, damit das Herz auch wirklich zusammengepresst wird«, so Udo Sechtem.

Zu einer Beatmung werde nicht mehr explizit geraten, weil sich viele Menschen davor ekelten und deswegen gleich ganz von einer Reanimation absehen. Auch wenn die Leute sich nicht ganz sicher fühlten, sollten sie nicht tatenlos bleiben. Und wenn tatsächlich ein Defibrillator in der Nähe sei, solle man Umstehende auffordern ihn zu holen. Auch der Mediziner betont, dass man mit einem solchen Gerät nichts falsch machen könne. Wichtig sei nur, während der Stromstöße vom Patienten wegzugehen und bei anhaltendem Herzstillstand direkt mit der Herzdruckmassage weiterzumachen. »Man wünscht natürlich nicht, das jemand das Gerät braucht, aber wenn es wird, ist es gut, wenn es da ist«, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der Volksbank Zuffenhausen, Gerhard Liebing.

Dirk Sperr, Dr. Gerhard Liebing, Joachim Dieffenbacher, Ansgar Schmid, Adelheid Raff